Über Rolf Mundorfs
Motorradreisen

Über das gemeinsame Hobby Film kamen wir uns näher und näher, drehten gemeinsam Filme, die auf vielen Amateurfilmwettbewerben liefen und Preise errangen. 1971 errangen wir bei den Deutschen Amateurfilmfestspielen in Hamburg mit unserem Beitrag über eine junge Familie und ihren Problemen die höchste Auszeichnung. Unser Filmclub „team68“- obwohl nur 6 Mitglieder stark- war ein Produkt und Abbild der unruhigen Zeit im damaligen Westberlin und die Filme, die entstanden, entsprachen so gar nicht dem Bildungsbürgertum.

Meine Frau und ich heirateten im August 1968. Am 1.2.1969 wurde unsere Tochter Anja geboren, übrigens am gleichen Tag, an dem ich als Programmierer anfing. Im Herbst 1970 wurde unsere Katrin geboren und im Sommer 1975 kam durch Adoption unsere Nina aus Korea zu uns. Mein Viermädelhaus!

1972 wurde ich in den Betriebsrat der Firma gewählt, in der ich lohnabhängig arbeitete. Diese Phase dauerte bis 1982, wovon ich 5 Jahre von meiner Tätigkeit freigestellt war und nur Betriebsratsarbeit machte. Diese Zeit hat mich nachhaltig geprägt, ähnlich wie die Studentenunruhen Mitte bis Ende der 60-er Jahre, wo die gesellschaftlichen Probleme auf der Strasse ausgetragen wurden. Wir Betriebsräte konnten allerdings nicht verhindern, dass ein wesentlicher Teil des Unternehmen geschlossen und rund 400 Mitarbeiter entlassen wurde.

Privat war das Jahr 1977 das Jahr der großen Veränderung. Meine Frau und ich entschossen uns zum Kauf eines alten Bauernhauses – ein Haubarg – auf der Halbinsel Eiderstedt an der Nordsee. Wir wollten es restaurieren und umbauen und eine eigene Existenz (Museumscafe) gründen.

10 Jahre führten wir eine Wochenendehe – über die Woche in Berlin gearbeitet und am Wochenende am Haus gewerkelt. 10 Jahre lang sah ich die Bäume an der Eisenbahnstrecke Berlin-Heide wachsen und groß werden. 10 Jahre gab es kein Urlaub und keine Reise, nur harte Arbeit.

1985 erkrankte mein Frau an Multiple Sklerose. An unseren Traum von Existenz im eigenen Haus an der Nordsee war nicht mehr zu denken und so wurde der Haubarg 1987 zunächst vermietet und dann 1992 verkauft und wir zogen wieder alle zusammen nach Berlin zurück. Hier konnte ich mich intensiv um die Betreuung meiner Frau kümmern.

Ihr Zustand verschlimmerte sich zusehenst und ab 1990 wurde sie bettlägerig. Das bedeutete nun Pflege rund um die Uhr durch die ganze Familie. 17 Jahre nach der ersten Diagnose und gezeichnet durch die schwere und zur Zeit noch unheilbare Krankheit starb meine Frau im April 2002. Für sie hatte das lange Leiden ein Ende.

1985 machte ich meinen Autoführerschein, um das Familienauto, das bisher ausschließlich von meiner Frau bewegt wurde, zu fahren. Und als dann ein Arbeitskollege mich fragte, ob ich seine Honda Dax kaufen wollte, die man ja mit dem Dreier fahren könne, sagte ich spontan zu, ohne zu ahnen, welche Auswirkungen das haben sollte. Und wenn die Autofahrer die Dax im Strassenverkehr für voll genommen hätten, dann hätte ich auch wohl nicht zum Motorradfahren gekommen. So aber machte ich im Frühjahr 1990 den 1a und zwei Jahre später den großen Einser: der Bazillus Motorrad hatte mich gepackt, spät aber wohl doch nicht zu spät. Dazu mehr auf meiner Reisen-Seite. Ich möchte aber auch noch sagen, dass meine Frau meiner neue Motorradverrückheit nie und nimmer zugestimmt hätte, wenn sie gesund gewesen wäre. Falls jemand sagt, dass meine Motoradleidenschaft eine Flucht vor der persönlichen Lebenssituation war, werde ich dem voll zustimmen. Am Sommerabend, wenn ich mein Frau gut versorgt wusste, mit dem Bike über die brandenburgische Alleenstrassen zu touren und den Wind im Gesicht zu spüren machte den Kopf frei für den nächsten Tag.